Die Technik und das Denken haben es Hubert Ebner angetan. Im Spätherbst überdenkt der begeisterte Bio-Bauer gerne seine Arbeitsschritte und packt sein wichtigstes Werkzeug aus: die Baumschere. Der Baumschnitt als Jungbrunnen. Denn in säuberlich getrimmter Spindelform sind die Bäume überall stets gut ausgeleuchtet, und das Holz bleibt so jung wie Huberts Lebenseinstellung: vier- bis fünfjährige Apfelbäume. So einfach lässt sich seine Philosophie auf den Punkt bringen. „So entfalten die Äpfel ihren besten Geschmack“, verrät Hubert sein Geheimrezept.

Er probiert, er experimentiert, er improvisiert. Jahr für Jahr versucht er etwas Neues, damit er die Wiesen näher und näher an seine Visionen rückt. Gerade in den kalten Monaten stampft er mit der Baumschere unermüdlich von Baum zu Baum. Sein Ansatz: den Baum bereits im Winter so zu regulieren, dass es zu möglichst wenig Überbehang kommt. Aber das ist noch lange nicht alles: Er setzt mehrmals im Jahr auf den mechanischen Schnitt, wobei er jenen kurz vor der Ernte für den effizientesten hält. Dabei nimmt er penibel Rücksicht auf die Feinheiten und Eigenheiten seiner Sorten. Gala, Braeburn, Jazz und Pink Lady. Hubert kann seinen Hang zum Perfektionismus nicht verbergen: „Beim Baumschnitt gibt es tausend und eine Möglichkeit. Ich habe sehr viele versucht und genau meine Methode gefunden. Jetzt geht es darum, sie zu perfektionieren.“

Sein Lieblingsapfel ist der Jazz, eine wahre Diva. Mit hochgezogenen Mundwinkeln und einem Augenzwinkern erzählt er, wie er vor Jahren die Jazz-Bäume zu früh geschnitten hat. Die Folge war unübersehbar: Im September zierten neben den reifen Äpfeln einige Blüten die Bäume. An dieser kleinen Anekdote erkennt man, wieviel Fingerspitzengefühl der Apfelanbau braucht.

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„Ich fördere lieber die Nützlinge, statt einen Kleinkrieg gegen die Schädlinge zu führen. Den Rest erledigt Mutter Natur für mich.“
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Die richtige Schere, die richtige Technik, der richtige Zeitpunkt. Über den Baumschnitt könnte Hubert Bücher schreiben. Und doch sieht er sich ständig nach Neuem um, weil ihn die Neugierde antreibt. Eines hat er in den vielen Jahren als Bio-Bauer gelernt: die Gelassenheit. Gerade auch im Umgang mit Schädlingen in der Wiese. Überstürzte Behandlungen können zwar kurzfristige Erfolge bringen, zeigen sich aber mittelfristig häufig kontraproduktiv. Einfach deshalb, weil dabei auch viele Nützlinge das Zeitliche segnen. Davon ist Hubert überzeugt: „Ich fördere lieber die Nützlinge, statt einen Kleinkrieg gegen die Schädlinge zu führen. Den Rest erledigt Mutter Natur für mich.“

Mit derselben Ruhe bewirtet seine Frau Jutta ihre Gäste. Urlauber auf dem Bauernhof. Hubert darf kosten, wenn sie mit erfahrener Hand hofeigene Erzeugnisse für die Gäste zubereitet. Verschiedene Sirupe, Chutneys, Fruchtaufstriche, Trockenobst, Rosenblütensalz und Apfelstrudelgewürzzucker zum Beispiel. Die Kräuterpädagogin pflegt neben ihrem Wissen auch einen Kräutergarten, der dem Hof seinen Namen gibt: „Kräutererbe Bacherhof“. Und vielleicht ist genau dieser Hof auch Huberts heimlicher Jungbrunnen. Kneippen, Saunieren und ein Sprung in den Schwimmteich halten den Körper fit, den Geist wach und die Seele quicklebendig.