Die Geschichte von uns Sturköpfen.

Heiße Tage. Kühle Nächte. Das mediterrane Klima und die kantigen Berge der Alpen. Sie machen Südtirol seit Jahrzehnten zum Apfelgarten Europas. Das haben schon die Väter unserer Großväter erkannt. Mit kürzeren Baumabständen, speziellen Schnitttechniken und Beregnungsanlagen machten unsere Väter die Apfelwiesen produktiver. Und irgendwann war sie da, die Verlockung mit dem Einsatz von Mitteln die die Natur nicht kennt, unseren Obstgärten noch mehr Früchte abzutrotzen. Jedes Jahr gierten wir nach einer Rekordernte.

Für uns geriet die Natur, die Grundlage unseres Lebens, aus der Balance. Der Kreislauf war durchbrochen, die Bodenfruchtbarkeit nahm ab. Irgendwann konnten die ersten von uns nicht mehr. In der täglichen Arbeit bemerkten wir, wie sehr wir uns entfernt haben, von dem was wir eigentlich wollten. Wir sehen den Nutzen von Hagelnetzen, Sprühern und Traktoren - wir wollen ja erstklassige Äpfel ernten. Aber auch Vögel singen, Bienen summen und unsere Kinder lachen hören. Und das alles in unseren Wiesen.

Wir beschlossen 1990 von nun an Äpfel rein biologisch anzubauen, zu sechst versammelt um einen Holztisch in der Stube eines Hofes. Ohne Wenn und Aber. Kritiker sagten zu uns: „Kann man machen, die Äpfel schauen aber nicht schön aus und sie schmecken nicht.“ Oder: „Das kann man nicht machen, das funktioniert niemals! Ihr beschmutzt die Ehre unserer Familien.“ Das nagte an uns. Doch stur wie wir Köpfe sind, haben wir uns nicht von unserem Weg abbringen lassen. Von Jahr zu Jahr lernten wir besser mit der Natur umzugehen, weitere Gleichgesinnte kamen hinzu.

Bio-Apfel Anbau Kinder in der Wiese Biosüdtirol
Biosüdtirol. Das sind wir. 250 Bio-Bauern und ihre Familien. Unsere Höfe sind im Schnitt kleiner als fünf Fußballfelder: Dadurch haben wir Zeit für die Bio-Landwirtschaft.

Mit der Jahrtausendwende waren aus sechs Familien über 100 geworden, zehn Jahre später 150. Und heute? Jetzt sind wir 250, wild und entschlossen wie am ersten Tag, und unsere Gemeinschaft wächst: In zehn Jahren werden wir 400 sein. Die Gründe für den Umstieg auf die biologische Landwirtschaft sind verschieden: Jungbauern übernehmen den Betrieb, die Bio-Äpfel des Nachbaren überzeugen, es rechnet sich wirtschaftlich oder Familiennachwuchs steht an. Und der Nachwuchs soll mit Bio-Äpfeln ins Leben starten.

Wenn wir nach einem regnerischen Tag von den Apfelwiesen zurückkommen, die verschlammten Stiefel abstreifen und die klitschnasse Kleidung ablegen, wissen wir: Äpfel biologisch anbauen klappt und es fühlt sich gut an.

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Biosüdtirol. Unsere Genossenschaft.

200 Bio-Bauern sind stärker als einer allein: Nur gemeinsam können wir uns die Investitionen leisten, die hinter jedem professionell angebauten, geernteten, gelagerten, verarbeiteten, verpackten, vermarkteten und vertriebenen Bio-Apfel stehen. In unserer Genossenschaft wiegt dabei jede Stimme unserer Bauern genau gleich viel. Hektarunabhängig. Schön, dass Ökologie und Demokratie in ein und dieselbe Apfelkiste passen.

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VOG. Unser Dachverband.

Kooperation ist seit Tag eins unser wichtigster Leitgedanke. Schon in unserem Gründungsjahr haben wir uns dem Verband der Südtiroler Obstgenossenschaften (VOG) angeschlossen, der mittlerweile größten Vermarktungsorganisation für Äpfel in Europa. Heute vereint der Dachverband rund 5.000 Produzenten, die auf rund 11.000 Hektar Anbaufläche jährlich 600.000 Tonnen hochwertiges Obst ernten. Vielleicht auch den Apfel, den Sie bald kosten.